Dienstag, 17. November 2015

Die Beziehung zwischen Risiko und Rendite

"How many millionaires do you know who have become wealthy by investing in savings accounts? I rest my case." - Robert G. Allen
Wenn ein Anleger die richtigen Entscheidungen für seine Geldanlage treffen möchte, muss er unbedingt verstehen, wie die Beziehung zwischen Risiko und Rendite funktioniert. Ich habe den Eindruck, dass viele unerfahrene Anleger und Sparer nicht wissen, warum es höhere Renditen (Überrendite) überhaupt gibt.

Folgender Grundsatz gilt in der Finanzwelt: Ohne Risiko gibt es keine hohe Renditen. Das sogennante „Magische Dreick der Vermögensanlage“ wird oft in der Finanzberatung eingesetzt. Eine Überrendite ist einfach die Belohnung für die Bereitschaft, höhere Risiken einzugehen.
Ich möchte ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben geben.

Fall #1: Sie haben zwei Schulfreunde, Paul und Olaf, die sich von Ihnen Geld ausleihen möchten. Paul ist Arzt und Familienvater, er wohnt fünf Minuten entfernt von Ihnen. Sie kennen seine Eltern auch, die auch in Ihrer Gemeinde wohnen. Paul braucht 10.000 € für die dringende Reparatur seines Dienstwagens und verspricht, das Geld innerhalb von einem Jahr zurückzuzahlen.

Olaf ist Junggeselle und zur Zeit arbeitslos. Sie sind mit ihm nicht mehr eng befreundet, weil er sein Studium abgebrochen und viele Jahre die Welt bereist hat. Olaf braucht 10.000 € für seine Unternehmensgründung und verspricht, das Geld innerhalb von einem Jahr zurückzuzahlen.

Beide haben sich bereit erklärt, Ihnen den Tageszinssatz von 1% als Entschädigung zu zahlen. Würden Sie lieber Paul oder Olaf Ihr Geld ausleihen?  


Jeder rationale Mensch mit Verstand würde in diesem Fall Paul bevorzugen. Der Grund ist einfach das Ausfallrisiko. Wenn man Olaf mit Paul vergleicht, fällt die Entscheidung leicht. Das Risiko, dass man sein Geld nicht zurückbekommt, ist bei Olaf viel höher als bei Paul. Für die gleiche Rendite von 1% wählt der Anleger die Variante mit dem niedrigeren Risiko.

Fall #2: In diesem Beispiel gehe ich bei Olaf ins Detail. Olaf war immer ein bisschen abenteuerlustig. Er war aber ein sehr schlauer Junge und macht heutzutage einen sehr soliden Eindruck. Er hat Ihnen von seinen Plänen von der Unternehmensgründung erzählt. Es klingt immer noch riskant, es gibt es aber eine gute Chance, dass er erfolgreich sein wird. Dazu hat er Ihnen versprochen, 10% Zinsen als Entschädigung zu zahlen.


Es wird interessanter. Beide Optionen (Paul oder Olaf) sind akzeptabel, jedoch mit unterschiedlichen Risiken und erwartete Renditen verbunden. Der Fall #2 stellt die Hauptbotschaft dieses Artikels dar. Rendite ist mit Risiko verbunden. Wo es Risiko gibt, verlangt ein Anleger hohe Renditen. Wo es Sicherheit gibt, bietet der Schuldner oder die Finanzindustrie niedrige Renditen an. Risikofreie hohe Renditen gibt es aus einem einfachen logischen Grund nicht. Das möchte ich kurz erklären.

Wenn Paul (niedriges Ausfallrisiko) 10% Zinsen anbieten würde, würden alle seine Freunde in der Schlange warten, um ihm Geld auszuleihen. Deshalb hat er die Möglichkeit, niedrigere Zinsen anzubieten. Das tut er, wenn er nicht dumm ist.

Wenn Olaf (hohes Ausfallrisiko) 1% Zinsen anbieten würde, würde keiner ihm Geld ausleihen. 1% Zinsen bekommt man schon bei Paul mit niedrigerem Risiko. Deshalb muss Olaf die Zinsen bei seinem Angebot solange erhöhen, bis jemand bereit ist, das Risiko einzugehen und ihm das Geld zu leihen.

Für den Anleger ist die hohe Rendite eine Belohnung („risk premium“), weil er bestimmte Risiken eingeht. Es kann natürlich schief gehen und der Anleger kann Verluste machen. Die erwartete Rendite bei einer riskanten Geldanlage muss aber im Prinzip höher sein als bei einer sicheren Geldanlage. Der risikoscheue Anleger soll dagegen den Preis für Sicherheit bezahlen und sich mit niedrigeren Renditen zufriedenstellen.

Es ist sehr wichtig für jeden Anleger, diese Beziehung zwischen Risiko und Rendite zu verstehen.
Lasst uns zurückgehen zu Fall #2. Würden Sie jetzt Paul oder Olaf das Geld ausleihen? Oder gleichzeitig beiden? Oder Paul 7.000 € und Olaf nur 3.000 €? Ähnliche Fragen werden Sie sich bei der Gestaltung Ihres Portfolios stellen müssen. Wie risikobereit sind Sie? Können Sie Verluste gut aussetzen? Können Sie mit einem riskanten Portfolio gut schlafen? Wie wichtig ist hohe Rendite für Sie?


Kommentare:

  1. Ich würde mich auf der Grafik eher im mittleren bis sicheren Bereich einordnen. Wenn man sein Geld anlegt sollte man schon gut streuen. Eine Immobilie kann nicht schaden, etwas Gold, etwas Silber und eine gut ausgewählte Aktienkombination. Natürlich nur wenn man das Geld dazu wirklich erübrigen kann.

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  2. Die Ergebnisse der "Behavioural Finance" Forschung zeigen, dass die Risikoprämie irrational hoch ist. Oder anders gesprochen: wenn ich 10 Investments mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 10% habe ist die Rendite empirisch hier wesentlich höher als 10 mal so hoch als bei einem einzelnen Projekt mit 100% Erfolgswahrscheinlichkeit. Menschen tun Verluste einfach mehr weh als sie Gewinne freuen, deswegen steht Verlustvermeidung im Vordergrund. Wer also mehr Risiko eingeht wird überproportional belohnt.
    Trotzdem habe ich selbst nicht nur Aktien ;-)

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  3. Am Ende muss jeder selbst entscheiden wie viel Risiko er eingehen würde. Ein gesundes Mittelmaß aus Risiko und Rendite erachte ich als sinnvoll. Ich setze daher auf Gold und Silber sowie ebenso auf Aktien. Das wichtigste ist, dass man sein Kapital sinnvoll streut.

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